Gewalt in der Familie

Was können wir tun?

HILFETETELEFONE
für Kinder: 116111
für Eltern: 0800 1110550
für Frauen: 0800 0116016
für Männer: 0800 1239900
für Unglückliche: 0800 1110111

Die Zahlen sind schockierend“, kommentierte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD): Im Jahr 2019 sei statistisch betrachtet umgerechnet alle 45 Minuten eine Frau durch ihren Partner verletzt oder angegriffen worden. Auch die Gewalt gegen Kinder steigt an. Die Corona-Krise dürfte das Problem noch einmal verschärft haben. Man weiß aus der Gewaltforschung, dass Stressfaktoren Gewalt fördern. Die gibt es in der Corona-Pandemie in jedem Fall. Räumliche Enge, die etwa durch Arbeitslosigkeit, Schulschließungen und Home Office entstehe, gehört dazu – ebenso wie psychische Belastungsfaktoren durch finanzielle Sorgen. Es sei laut Bundeskriminalamtschef „nicht auszuschließen, dass solche psychischen Stressfaktoren zur Erhöhung häuslicher Gewalt führen, die wir nicht sehen können“. Denn auch das soziale Umfeld von Betroffenen, ebenso wie Arbeitskollegen und Ärzte bekämen weniger mit. Was können wir tun?

 

Ich bin Täter*in

Was du wissen musst: Sich nicht frei bewegen können, eingeschränkt zu sein, sich eingesperrt fühlen – das ist eine Herausforderung. Es ist deshalb völlig normal und in Ordnung …

● wenn du dich ohnmächtig oder verunsichert fühlst und dir die Kontrolle fehlt.
● wenn du Angst vor dem Virus hast.
● wenn es dir daheim zu eng ist oder du dich isoliert fühlst und es fast nicht aushältst ohne Kontakte und Nähe.
● wenn dich Sorgen plagen: um die Gesundheit, um deine Liebsten, um deine finanzielle und berufliche Existenz.

All das belastet und reduziert deine Möglichkeiten dich selbst zu führen und dich in Andere einzufühlen. Stress macht Gefühle und Sichtweisen eng. Er verleitet dazu, Schuldige zu suchen. Aber: Es gibt weder einen Grund noch eine Entschuldigung, deine Not an Anderen auszulassen. Du stehst selbst in der Verantwortung, wie du mit Überforderung, Unsicherheit oder Wut umgehst. Gewalt ist keine Lösung. Sag Nein zu Gewalt.
Was du gegen Stress tun kannst:
Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Du verlierst unnötig Kraft, wenn du gegen Corona rebellierst. Versuch lieber, dieser Zeit einen Sinn zu geben: Es ist eine neue Erfahrung, ein Abenteuer.
Gib dir, was du brauchst. Tu dir Gutes. Sorge dafür, dass du dich jeden Tag auf etwas freuen kannst.

● Höre Musik, lies ein Buch, schreib auf was dich beschäftigt.
● Erinnere dich an schöne Erlebnisse in deinem Leben. Mach Foto-Alben.
● Beweg dich in der Natur so lange das geht.
● Treib Sport. Power dich aus. Das kannst du auch auf engstem Raum.
● Tausch dich mit Freunden und Kollegen aus. Lass sie wissen, wie es dir geht.
● Entspann dich – mit Meditation,
Atemübungen, Ritualen, Gebeten – was auch immer für dich passt. Anregungen findest du im Internet, zum Beispiel auf Youtube.
● Nutze News und Medien bewusst und begrenzt.

Schaff Ordnung. Eine Tagesstruktur und ein Wochenplan geben Orientierung. Stell dir unterschiedliche Aufgaben. Unterstütze dich und Andere. Teil dich mit. Hab den Mut, deiner Partnerin oder deinem Partner zu sagen, wie es dir geht und was du brauchst (z.B. Nähe und Zärtlichkeit, Raum für dich). Achte auf deine Grenzen. Sag Stopp, wenn du dich bedrängt, beengt, genervt fühlst. Es ist in Ordnung, sich auch mal rauszunehmen. Nimm wahr, was in dir passiert. Wenn du hinschaust, gewinnst du Kontrolle.
Mach einen Plan für den Notfall. Finde heraus, wie du dich selbst beruhigen kannst, wenn alles zu viel wird. Ein paar Anregungen:

● Geh raus – in den Park, auf den Balkon oder zumindest in ein anderes Zimmer.
● Atme gleichmässig 5 Sekunden ein und 5 Sekunden aus. Wiederhole das, bis du dich ruhiger fühlst.
● Beweg dich. Wenn du nicht raus kannst: Mach Liegestützen, hüpfe, renne das Treppenhaus hinauf und hinunter.
● Hol ein Glas Wasser oder iss was.
● Leg dich hin und schliess die Augen.

Achte auf deine Alarmsignale und wende deinen persönlichen Notfallplan rechtzeitig an. Alarmsignale können sein: Fluchen, Beleidigen, Zittern, Schwitzen, Schreien etc. Nimm sie ernst. Jetzt musst du handeln. Wichtig: Informiere deine Partnerin, deinen Partner, dass du jetzt gerade einen Moment für dich brauchst.

Erlaube dir, Unterstützung zu holen. Adressen findest du oben. Mach den Schritt. Nimm eigene Verletzungen und Verwundungen ernst. Such dir auch Unterstützung, wenn du selbst Opfer von psychischer oder physischer Gewalt bist.
Und zum Schluss: Alkohol und Drogen sind ein Risiko. Konsumiere höchstens massvoll. Sonst schwächst du dich und dein Kontrollvermögen. Quelle: Bundesforum Männer

Ich bin Opfer

Wer zuhause Gewalt erfährt, ist auch in der aktuellen Ausnahmesituation nicht allein. Angebote vor Ort und bundesweite Angebote wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bieten kostenlos, schnell und unbürokratisch Beratung – telefonisch oder per Internet.

Wenn der Partner oder die Partnerin droht oder gewalttätig wird, musst du das nicht hinnehmen. Du trägst keine Verantwortung für das gewalttätige Handeln deines Partners oder deiner Partnerin. Wer Gewalt erlebt, hat immer Anspruch auf Hilfe und Unterstützung. Häusliche Gewalt kann jeden Menschen treffen – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft oder Religion. Du bist nicht allein.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ bieten kostenlos, schnell und unbürokratisch Beratung (siehe oben). Für Frauen gibt es auch eine Beratung im Online-Chat auf www.hilfetelefon.de.

Was mache ich, wenn etwas kaputt ist und ich Hilfe vom Hausmeister brauche?

Nach wie vor können Sie die Hausmeister anrufen und das Problem beschreiben. Wir versuchen jedoch, unnötige Vor-Ort-Termine zu vermeiden. Wenn schon am Telefon klar wird, es muss ein Fachunternehmen ran, dann gibt der Hausmeister in der Verwaltung Bescheid, und dort wird ein Reparaturauftrag ausgelöst. Hausmeister und Firmen führen wie gewohnt Reparaturen aus, allerdings unter Einhaltung des Abstandsgebotes. Bei Arbeiten in den Wohnungen sollen Masken getragen werden und wir bitten darum, die Wohnung während der Arbeiten gut zu lüften.

Ich bin Kind/Jugendlich*e

Allein mit deinen Problemen? – Darüber reden hilft! Gibt es etwas, das Dich aus dem Gleichgewicht bringt? Etwas, das Dich unglücklich macht und Dich denken lässt: „Ich weiß nicht mehr weiter.“ Die Helfer von der „Nummer gegen Kummer“ stehen Dir zur Seite und sprechen mit Dir darüber.

Stress mit Eltern, Freunden oder Mitschülern? Mobbing oder Abzocke im Internet oder Klassenzimmer? Angst, Missbrauch, Essstörungen, Depression oder Sucht? Wenn Du Dich gerade mit Deinen Problemen alleine fühlst – ruf an! Montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr ist jemand für dich da. Du kannst auch chatten auf www.nummergegenkummer.de.

Ich bin Mutter oder Vater

Wenn Sie sich als Mutter oder Vater in der derzeitigen Ausnahmesituation Sorgen um Ihr Kind machen, sich überfordert oder manchmal sogar hilflos fühlen – sind wir für Sie da. Unsere speziell ausgebildeten Beraterinnen und Berater wissen, vor welchen Herausforderungen Eltern stehen und unterstützen Sie, Lösungen zu finden. Ob bei Erziehungsproblemen, Schwierigkeiten in der Schule, Familienkrisen, Sucht, oder Internet-Gefahren. Es macht keinen Unterschied, ob Sie „nur“ eine Frage haben oder Rat brauchen, weil Sie sich überfordert fühlen oder keinen Zugang mehr zu Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn finden. Beim Elterntelefon suchen wir gemeinsam nach einem Ausweg – anonym, kompetent und auf Augenhöhe.

Ich bin Nachbar*in

Gewalt erkennen: Gewalt fängt nicht erst bei Schlägen an. Dazu gehört auch psychische Gewalt in Form von Demütigungen, Drohungen oder Einschüchterungen. Belastende Situationen wie die aktuelle Corona-Krise können dieses Verhalten verschlimmern. Familie, Freundinnen und Freunde, aber auch Nachbarinnen und Nachbarn, sind jetzt besonders gefragt, aufmerksam zu sein und auf Zeichen häuslicher Gewalt in ihrem Umfeld zu achten und aktiv zu werden. Warnsignale können zum Beispiel zunehmender Lärm und Streit nebenan, verändertes Verhalten wie sozialer Rückzug oder äußere Anzeichen von Gewalteinwirkung sein. Das können Sie tun:
● (Vermeintliche) Gewaltsituationen unterbrechen, mit einem Vorwand an der Tür klingeln, die Polizei anrufen.
● Das Opfer alleine ansprechen und deutlich machen, dass man etwas gemerkt hat. Anbieten, gemeinsam zum Arzt zu gehen. Signalisieren, dass man vertrauenswürdig ist.
● Auf Hilfsangebote aufmerksam machen, indem man Flyer oder Plakate im Hausflur aufhängt. Alternativ dem vermeintlichen Opfer so einen Flyer in die Hand drücken, mit der Ausrede: „Ich habe von denen heute so viele bekommen. Ich gebe dir auch mal einen.“
● Insgesamt: aufmerksam sein, Augen und Ohren nicht verschließen, mit anderen Nachbar*innen sprechen.

Ich will mich umbringen

Sie sind völlig am Ende und denken manchmal oder immer wieder an Selbstmord? Die Telefonseelsorge hilft 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr: Per Telefon 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123 per Mail und Chat unter www.online.telefonseelsorge.de

Was kann allen helfen?

Der KrisenKompass ist eine App, die dank ihrer Funktionsweise eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen ist. Mit verschiedenen Funktionsweisen wie Tagebuchfunktion und persönlichen Archiven, um positive Gedanken oder beispielsweise Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern, kann ein ganz persönliches Rüstzeug für schlechte Momente gepackt werden. Das Angebot des KrisenKompasses ist als App jederzeit in Griffweite auf dem Handy und damit immer dabei, wenn es nötig wird. Er funktioniert sowohl online als auch offline.

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